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Medizinischer Blutegel (Hirudo medicinalis)

 
Die Blutegel-Therapie als ein so genanntes ausleitendes Heilverfahren ist in den vergangenen Jahren wieder Bestandteil unserer medizinischen Versorgung geworden.

Unter den ansonsten geächteten Blutsaugern ist der medizinische Blutegel Hirudo medicinalis eine Ausnahme. Der Verwandte des Regenwurms hat es in der Heilkunde zu Ansehen gebracht.

Zur Blutegel-Behandlung eignet sich der natürlich in Europa, Nordafrika und Kleinasien vorkommende Hirudo medicinalis sowie der aus Ungarn stammende Hirudo officinalis (Hirudo verbana).

Außerhalb des Wassers bewegt sich der Medizinische Blutegel mit Hilfe von zwei Saugnäpfen an den Körperenden fort. Erwachsene Tiere werden ausgestreckt bis zu 15 cm lang und bei hellem Licht ist eine Rückenzeichnung zu erkennen. Hirudo medicinalis hat eine bräunliche bis olivgrüne Farbe, rötliche Streifen auf dem Rücken und schwarze Flecken auf dem Bauch.

Seit 3000 Jahren werden Blutegel verwendet, um Patienten zur Ader zu lassen.
Mitte des ersten Jahrhunderts erlangte der Blutegel Bedeutung durch den Griechen Themison von Laodikeia. Er setzte die Blutegel bei chronischen Kopfschmerzen an. Blutegel wurden auch im Römischen Reich, der arabischen Welt und in Byzanz verwendet.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein stand die Blutegeltherapie im Zeichen der "Säfte-Lehre": Eine gesteigerte Ausscheidung der Säfte Blut, Schleim und Galle sollte den Heilungsprozess bei fieberhaften und entzündlichen Erkrankungen beschleunigen.
Ihren Niedergang erlebte die Therapie ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der naturwissenschaftlichen Medizin.

Die maßlos übertriebene Anwendung der Blutegel-Therapie zu jener Zeit schadete ihrem Ruf bis heute. Erst als man Mitte der achtziger Jahre in Amerika damit begann, Blutegel auch in der Transplantationschirurgie einzusetzen, gelang dem Blutegel ein unerwartetes Comeback. Auf Hautverpflanzungen wurden Blutegel gesetzt, die durch ihr Saugen den Fluss des Blutes und der Lymphe anregten, so dass angenähtes Gewebe besser anwachsen konnte.

Heute werden jedes Jahr 400.000 Tiere aus kontrollierter Zucht verwendet, um menschlichen und tierischen Patienten Linderung zu verschaffen.

Hat ein Patient den nahezu schmerzlosen Biss des Tieres über sich ergehen lassen, dann profitiert er von einer Vielzahl von Wirkstoffen, die der Blutegel in die Wunde abgibt.

Sie verdünnen das Blut und beugen Entzündungen vor. Außerdem werden Blutstaus wirksam beseitigt. Neben der gerinnungs- und entzündungshemmenden Wirkung des Hirudins und Calins findet man schmerzstillende sowie gefäßerweiternde und lymphstrombeschleunigende Substanzen. Ferner wurden immunisierende und antibiotika-ähnliche Stoffe nachgewiesen.

Die Inhaltsstoffe im Einzelnen:

Hirudin: gerinnungshemmend, Erhöhung der Leukozythenaktivität, vermutlich diuretisch (harntreibend, entwässernd, nierenanregend)

Calin: gerinnungshemmend, bewirkt die lange Nachblutung

Eglin:
antiphlogistisch (entzündungshemmend)

Orgelase:
verschafft anderen Wirkstoffen Platz im Interstitium, mucolytisch (schleimlösend) im Wundbereich, bakterizid, verstärkt den Blutstrom im Saugbereich

Histaminähnliche Substanz: Gefäßdilatation um die Bissstelle,

Aeromonas hydrophila: Darmsymbiont des Blutegels, produziert eine antibiotika-ähnliche Substanz

Lipide: verhindern den Wundschluss

Ein Blutegel saugt etwa acht bis zehn Milliliter Blut, danach fällt er von selbst ab. Die Wunde blutet noch mehrere Stunden nach. Dadurch werden weitere 20 bis 40 Milliliter angestauten Blutes entfernt.

Die Blutegel-Therapie wird bei Menschen unter anderem eingesetzt bei Venen-erkrankungen, Krampfadern, Gicht, Migräne, Arthrose, Asthma, Hämorrhoiden, Gallenblasenentzündung, Bluthochdruck und in der plastischen Chirurgie.

In der Tierheilkunde sind die Blutegel aufgrund des feinen Zusammenspiels der Wirkstoffe und des lokalen Aderlasses grundsätzlich bei allen lokalen, gestauten, entzündlichen, durchblutungsgestörten Prozessen angezeigt.

Konkret können sie hilfreich sein bei

  • akuter Hufrehe
  • Arthritis
  • Arthrose
  • Schleimbeutelentzündungen
  • Tendinitis/Tendovaginitis
  • Hüftgelenksdysplasie
  • Discopathie
  • Spondylose
  • Abszessen
  • Ödemen
  • Haematomen, Quetschungen, Prellungen
  • Satteldruck
  • Myogelosen
  • Gleichbeinlahmheit
  • schlecht heilenden Wunden
  • und zur Verstärkung der Akupunkturpunkte

Kontraindikationen

  • Starke Blutarmut (Anämie)
  • Immunschwäche
  • Wundheilungsstörungen
  • Diabetes mellitus
  • Gerinnungshemmungsstörung (Bluter)
  • Bekannte allergische Reaktion auf Wirkstoffe des Blutegels
  • Tiere die eine geschwächte allgemeine Konstitution aufweisen
  • Tiere, die gerinnungshemmende Medikamente verabreicht bekommen
  • Tiere unter einem Gewicht von 7 kg
  • Trächtigkeit
  • Fortgeschrittene Lebererkrankung
  • Extreme Allergiker, besonders gegen Eiweiße
  • Viruserkrankungen
  • Herzinsuffizienz
  • Starker Durchfall
  • 48 Stunden vor einer OP

Möchten Sie noch mehr über Blutegel erfahren?

Unter www.blutegel.de finden Sie weitere Informationen... -

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Ein Praxis-Beispiel mit Bildern:

Mein Patient Dorillo, 20 Jahre alt, ein wunderschöner Vollblut-Traber, ehemaliger Sieger-Champion, leidet unter einer Athrose im rechten Kniegelenk. An den folgenden Bildern wird der Ablauf der Blutegel-Therapie deutlich:


Der Egel kurz nach dem Biss.



Er saugt.



Das Stadium kurz vor dem Loslassen.



Der Blutegel löst sich von der Bissstelle.



Das Nachbluten beginnt.